Geschichte des Mantrailing
Schon frühe Kulturen wie die Römer wussten um die sehr feinen Nasen der Hunde und dass sie auch über längere Distanzen auf der Spur bleiben, um Beute zu finden. Sie begannen, ihre Hunde auch außerhalb der Jagd zu nutzen und setzten sie für die Personensuche z.B. zur Verfolgung entflohener Sklaven anhand ihrer Geruchsspur ein.
In den folgenden Jahrhunderten wurde dieser Grundsatz in den verschiedenen westlichen Ländern aufgegriffen und auf unterschiedliche Weise weiter entwickelt. Das Wort leitet sich aus dem Englischen „Man“, das für den Menschen steht und dem Wort „Trail“ für Spur ab.
In den USA kamen vor allem Bloodhounds zum Einsatz; zunächst auch hier zum Aufspüren entlaufener Sklaven, später in den 1920er Jahren zu Zeiten der Alkoholprohibition auch Straftäter. Bis heute werden von amerikanischen Polizeibehörden wie dem FBI, Mantrailing-Teams sowohl zur Vermisstensuche als auch zur Verfolgung von Straftätern eingesetzt; hierbei werden die Ergebnisse, die die Hunde liefern sogar vor Gericht anerkannt.
Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Idee des Mantrailing mit den US-amerikanischen Truppen nach Europa. Kriegserfahrungen mit dem Spürsinn der Hunde führten in einigen Ländern zum Aufbau von Rettungshundestaffeln.
In Deutschland wurde der Mantrailer im Dienste der Polizei erst spät entdeckt. Hier konzentrierte man sich zunächst auf die Ausbildung und den Einsatz von Schutz-, Spür- und Fährtenhunden. Einige Bundesländer haben dann begonnen, auch polizeiliche Mantrailer auszubilden, einige greifen auf externe Mantrailing-Teams zurück und wieder andere halten dieses Einsatzmittel für zu unzuverlässig und zu wenig kontrollierbar und verzichten darauf.
Von dieser Verwendung in den Bereichen Rettung und Forensik ausgehend, entwickelte sich das Mantrailing im Laufe der Jahrzehnte auch im Freizeitbereich weiter. Die auslastenden und glücklich machenden Effekte von Nasenarbeit im allgemeinen wurden mehr und mehr erkannt. Heute ist das Mantrailing ein verbreiteter und populärer, weil artgerechter Hundesport.
Unsere Philosophie
Das Trailen mit Herz, Hand und Verstand trägt sehr viele Komponenten in sich. Es ist mit nichten einfach nur der Hund gefragt, wie viele immer noch glauben.
Die Komponente Herz steht für Verbindung und Verbundenheit. Dafür, den Hund wohlwollend in seiner Welt zu begleiten und Wachstum entstehen zu lassen. Sie steht ebenfalls für Intuition, dafür, sich einzufühlen, für Aufmerksamkeit und Achtsamkeit bzgl. des eigenen Tuns sowie der Botschaften des Hundes. Dies gilt sowohl für die Hundeführerin als auch für die Trainerin des Teams.
Die Komponente Hand steht im weitesten Sinne für das Handwerk, die Trailtechnik. Das Leinenhandling ist hierbei ein wichtiger Punkt, die Positionierung hinter dem Hund, die Positionierung in einer Kreuzung. Die Entscheidung darüber, wann z.B. welches Tempo passt und wann die Leine wie lang sein sollte. Das Thema Körpersprache und Neutralität hinter dem Hund spielt eine große Rolle sowie die Frage, wann und wie arbeite ich dem Hund zu oder wann auch gerade nicht.
Die Komponente Verstand schließlich meint den sinnhaften Aufbau des Trailens. Denn nicht Prinzipien wie möglichst schnell weit und weiter zu trailen lassen ein gutes Mantrailing-Team entstehen. Wir setzen auf sorgsamen Aufbau, der Hund erhält zunächst Gelegenheit, „die Spur“ für sich zu entdecken und lernt in angepasster Umgebung nach und nach einer Individualgeruchsspur zu folgen. Von der ersten Stunde an wird single-blind gearbeitet, d.h., der Mensch hinten an der Leine kennt den Verlauf der Spur nicht. Die Trails werden von sorgsam geschulten Trainerinnen individuell für jedes Team koordiniert. Hierbei haben sie ein ausgeprägtes Bewusstsein über die Wirkung des Trails, den Schwierigkeitsgrad, die geruchliche Herausforderung, die Rolle von Wind und Witterung, Spurtreue, Suchhundetyp, alte und frische Spuren, Spurdifferenzierungen und über die vielen weiteren Puzzlesteine, die das Gesamtausbildungskonzept bilden. Jedes Mensch-Hund-Team bekommt die Zeit und Aufmerksamkeit, die es braucht. Die kluge Passgenauigkeit der jeweiligen Aufgabe ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg.
Während ich das hier schreibe, denke ich, es hört sich irgendwie schwülstig an. Aber hey, so ist es einfach. Kommt am besten vorbei und erlebt es selbst!